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Athletisch, praktisch, klug - „Ideal“ ist eben nicht „normal“

von Sven Schimmel (Kommentare: 0)

Mario Löffler (OF Erlbach-Kirchberg) ist das Gesicht der Kampagne "Alleine. Ausgebrannt." | Rechte: FF Lugau/Schimmel (Montage)
Mario Löffler (OF Erlbach-Kirchberg) ist das Gesicht der Kampagne "Alleine. Ausgebrannt." | Rechte: FF Lugau/Schimmel (Montage)

LUGAU. „Ihr sucht doch Leute für die Feuerwehr“, wurde ich letztens angesprochen. „Ja, die suchen wir. Und zwar immer.“, war meine Antwort. Das scheint mein Gegenüber nicht sonderlich zufriedengestellt zu haben, denn noch lange blieb dessen Gesicht in einer erwartungsvollen Haltung. Wissen wollte er schließlich, ob er denn dafür geeignet sei. Für uns Feuerwehrleute immer eine schwer zu beantwortende Frage, denn an das „Ideal“ eines Feuerwehrmanns - und selbstverständlich auch einer Feuerwehrfrau - kommen wir alle nicht ran: Irgendwas ist immer. Nur, was sag ich dem jetzt? „Athletisch sollst Du sein, praktisch veranlagt und mehr als 15 Watt in der Birne haben“ - so zumindest stellt man sich eine ideale Einsatzkraft vor. Aber, wie ist es denn wirklich? Nobody is perfect. Und das darf man in einer Freiwilligen Feuerwehr auch nicht erwarten. Jeder hat hier seine Ecken und Kanten - oder eben auch seine Rundungen.

Prinzipiell passt Jeder

Passt also jeder zu uns? Prinzipiell kann man das mit „Ja“ beantworten. Allerdings, ein paar Kriterien müssen schon erfüllt sein - sie sind sogar gesetzlich vorgeschrieben. Jede Einsatzkraft muss „den körperlichen und geistigen Anforderungen des Einsatzdienstes gewachsen sein“. Mehr sagt das Sächsische Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzgesetz nicht aus. Darum gelten auch in jedem Ort immer mal andere Bedingungen. In der FF Lugau eben auch. Und so freuen wir uns eigentlich über jeden Mitstreiter, der Interesse hat und es auch nicht gleich verliert. Er muss kein Athlet sein, aber trotzdem mal ein paar Meter laufen, zupacken und die Ausrüstung tragen können. Er muss auch kein Abitur nachweisen, aber genügend Intelligenz mitbringen, um komplexe Zusammenhänge verstehen und Aufträge selbständig umsetzen zu können. Und er muss menschlich zu uns passen. Kameradschaft ist wichtig. Gegenseitiger Respekt, Anerkennung und die Fähigkeit, sich in ein Team ein- und unterzuordnen sind dagegen unabdingbare Voraussetzungen. Die fernere und jüngere Vergangenheit hat es gezeigt: Sensibelchen gehen im Feuerwehrdienst genauso unter wie diejenigen mit, vorsichtig ausgedrückt, stark ausgeprägtem Geltungsbedürfnis.

Das wäre das, was ich meinem Gegenüber sagen könnte. Das würde ihn aber verwirren. Darum lade ich ihn einfach mal ein, sich selbst ein Bild zu machen. Dann wird er merken, ob er sich hier bei uns wohlfühlt. Wenn dem so ist und auch die wenigen unsererseits definierten Bedingungen stimmen - dann: Herzlich Willkommen. Wir machen keine Unterschiede: Mann oder Frau, groß oder klein, Einheimischer oder „Migrationshintergrund“ - menschliche Eigenheiten interessieren nicht. Ein schwules Paar in dieser vor Testosteron strotzenden Männerdomäne? Auch das hatten wir schon - und die Zusammenarbeit klappte. Die Feuerwehr ist ein Spiegel der Gesellschaft und genau so unterschiedlich sind auch unsere Einsatzkräfte.

Die "Mischung" machts

Irgendwann kam mein Gegenüber zu der Erkenntnis, dass es nicht DEN geeigneten Menschen für die Feuerwehr gibt. Nur das Zusammenspiel der vielen charakterlichen Facetten macht uns so schlagkräftig. Darum passen auch viel mehr Menschen zu uns als man glauben mag. „Ideal“ ist also auch bei uns nicht „normal“, eher die Ausnahme. Es kommt eben immer darauf an, wie und ob man sich für andere in Not einsetzen kann und möchte. Und mein damaliges Gegenüber ist jetzt einer unserer Kameraden. So schnell kann das gehen. Herzlich Willkommen.

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